Werden die IFNGs in CS:S immer uninteressanter?
Zum Valentinstag gab die ESL alle IFNG-Paarungen bekannt, dabei sind es wieder einmal weniger als in der Vorsaison geworden. Immerhin auf sagenhafte acht Stück bringt es die 16. Auflage der höchsten deutschen Spielklasse. Sogar zwei CS-Female-Teams bekommen ihre Chance, ebenso wie die Fans von Quake Live. Doch welche Community muss eventtechnisch in die Röhre schauen? Die treuen Anhänger der CS:S-Teams.
Drei mal Thermaltake – Übertreibung schlechthin
Gehypt ohne Ende, bekam das Werksteam von Thermaltake ganze drei IFNGs zugesprochen. Keine schlechte Leistung, wenn man bedenkt, dass kein einziger Spieler der Vorsaison übrig ist. Die ESL hat sich wieder ausschließlich auf den Teamnamen und nicht den Inhalt des Team konzentriert. So fühlen sich mit dieser Aufteilung nicht nur andere Topteams ungerecht behandelt. Dass dieses Team seine IFNG-Berechtigung hat, steht zwar außer Frage – dennoch sind drei Spiele sicherlich ungerechtfertigt. Noch dazu, wenn man sich genau ansieht, welche Partien dies sind. Thermaltake tritt dreimal gegen die Topteams der EPS an, jedoch treffen sich diese drei Teams nie untereinander, was nach Meinung der Spieler deutlich interessanter wäre. „Thermaltake, das unwahrscheinlich wirklich Anspruch auf einen Finals-Platz haben wird, bekommt drei IFNGs. hoorai, das zweimal hintereinander Zweiter wurde, bekommt nur zwei IFNGs. mTw spielt IFNGs gegen Gegner wie ESC, KC Gaming und Thermaltake. Kein ALTERNATE, kein hoorai.“, empörte sich Oliver ‘hoosa’ Keller auf direktes Nachfragen.
Woran orientiert sich die ESL eigentlich? Wenn man sich die IFNG-Verteilung ansieht, wird dies nicht ganz ersichtlich. Vor einigen Seasons wurde bemängelt, dass zu oft und im Grunde nur die Topteams auf IFNGs zu sehen seien. Die momentane Aufteilung sieht aber mehr nach einer Überreaktion auf diese Kritik aus, wie hossa gerne bestätigt: „Spiele wie gegen gamed oder Tt hätten durchaus Platz machen können für IFNGs gegen mTw und Snogard. Ich sehe den Sinn nicht: Snogard, die meiner Meinung nach ein dickes Wort um Platz vier mitreden werden, bekommen kein IFNG, das versteht in der EPS keiner.“ Der Unmut ist groß, doch das ist noch nicht alles: Nach vorliegenden Information werden die Spieler faktisch an der Nase herum geführt. Wie bekannt, wird auf der CeBIT ein CS-Match gespielt. Auf Nachfragen, warum dort kein CS:S gespielt werden würde, wurde den Spielern geantwortet, man habe nicht genug Zeit und die meisten CS-Spieler seien durch die IEM so oder so vor Ort. Am vorherigen Wochenende gab die ESL dennoch ein CS-Female-IFNG bekannt – Spielen Alternate.female und 69ers.female nun auch in der IEM mit?
Das Konzept IFNG: Eine Sache der Unverständlichkeit
Ist CS:S doch nicht so interessant für die ESL und deren Organisatoren, wie sie immer beteuern? Sicherlich lockt CS Female mehr Leute weg von den Schirmen und auf ein Event wie die CeBIT, doch unter solchen Voraussetzungen können keine Entscheidungen getroffen werden. Die ESL zeigt eigentlich selbst, dass es gar nicht so schwer ist, das Freitagabend-Programm etwas interessanter zu gestalten. Die CS-1.6-Partien werden mit 99,9-prozentiger Sicherheit immer für gefüllten Hallen und schreiende Fans mit erhöhtem Adrenalinspiegel sorgen, so scheint die Meinung der Offiziellen. Ihren eigenen Umfragen nach, die zuletzt auf IFNGs und gamescom gemacht wurden, kommt die Mehrheit inzwischen, um sich CS:S anzusehen (60% – 40% im Vergleich zu CS 1.6). Einen Grund, diesem Trend nicht zu folgen, kann man in den Sponsoren vermuten, die lieber ihre Stände gefüllt sehen, als die Mehrheit der Zuschauer in den Reihen sitzen zu sehen.
Mario ‘mT’ Trzensky, seines Zeichens Spieler bei Snogard, sieht das Ganze mit einem weiteren Wermutstropfen: „In Anbetracht unserer Teamleistungen (vier Leute von KC spielen heute bei Snogard) finden wir es schade, dass wir kein IFNG bekommen haben und uns so nicht auf einem Offline-Event der EPS zeigen können.“ Besonders das neue Werksteam hätte ein IFNG bitter nötig gehabt, denn schon lange eilt einigen Spielern ein gewisser Internetruf voraus. Da sich ein “richtiges” LAN-Turnier oft über einen längeren Zeitraum erstreckt, wäre ein solcher nationaler Kurztrip auf ein IFNG deutlich besser vor dem Arbeitgeber vertretbar gewesen – doch diese Chance gibt es für das junge Team nicht. „Es wird zwar behauptet, dass die IFNG-Vergabe nicht von Clans abhängig ist, jedoch sieht es auf dem Papier danach aus, dass auf die Platzierung des Clannamen der letzten Saison Wert gelegt wurde und nicht auf die Spieler bzw. Teams. Wir würden uns wünschen, dass die ESL mehr Transparenz bei ihren Entscheidungen über solche Events in Zukunft zeigen würde.“, so mT im weiteren Verlauf des Gesprächs.
Der Spielerrat, ein Forum voll von Fehlentscheidungen
Die ESL gibt sich auf direktes Nachfragen pflichtbewusst und mit vollem Selbstbewusstsein für die gefällten Entscheidungen. Es seien nicht irgendwie irgendwelche Teams ausgewählt worden, dahinter stecke System, versucht zumindest Carsten Kramer, Director League Operations, zu vermitteln: „Um möglichst viele Spitzenspiele zu haben, hatten wir für alle Finals-Teilnehmer drei Paarungen angestrebt und auch vergeben. Auch wenn sie Spieler wechseln, hielten wir die Qualität dieser vier Teams weiterhin für hoch, und durch die hervorragende Vorsaison hat sich Team Thermaltake ja einige Fans gemacht.“ – Trotzdem bleibt das jetzige Thermaltake ein völlig anderes, bisher auch ohne großen Fanzuwachs. Die Chancen dafür stehen zwar relativ gut, dennoch sieht man dieses Team in EPS-internen Kreisen nicht auf den Finals.
Snogard, das so gerne auf einer LAN bewiesen hätte, dass der Internetruf unbegründet vorliegt, hat dabei trotzdem weiterhin das Nachsehen. Sieht man sich die Tabelle der letzten Saison an, dann wird klar, warum es kein IFNG für diesen Teamslot geben kann. Nur Platz acht, davor war zum Beispiel noch Team gamed.de, welches natürlich ein IFNG bekam. Wie man von manchen EPS-Spielern erfährt, ist eine Finalsqualifizierung dieses Lineups deutlich wahrscheinlicher, als die des jetzigen Team Thermaltakes. Doch auch hierfür hat Carsten Kramer eine Erklärung: „[...] Die beiden vor ihnen positionierten Teams werden von uns für die kommende Saison als stark eingestuft. Zudem hatte Snogard keinen der “unbeliebten” Spielorte (für Bremen und Berlin hatte sich von den Top 5 der Vorsaison nur mTw gemeldet) als bevorzugten Termin genannt.“ Snogard wird also dafür bestraft, dass man sich im Spielerrat nicht wirklich auf die Paarungen einigen konnte, schließlich wollte keiner nachgeben.
Bleibt die Spannung auf der Strecke?
Fakt ist, dass sicherlich nicht jeder mit dieser Entscheidungen zufrieden sein kann. Vor allem Snogard wäre sehnsüchtig auf einem LAN-Event erwartet worden, vielleicht ziehen es gewisse Spielern aber auch vor, nicht auf einem IFNG antreten zu müssen. Es kann zwar immer eine Überraschung passieren, trotzdem ist seit jeher bekannt, dass sich iFNG Neulinge eher schwerlich mit den Bedingungen zurecht finden und unter Umständen gar eine Blamage hinlegen. Doch wer wirklich Spannung erleben will, der wird in dieser Saison nicht um Köln herum kommen. Dort wo das einzige namhafte IFNG ausgetragen wird, dort wo Team Alternate auf hoorai trifft. Und spätestens im Juni kann man sich hoffentlich auf spannende Finals in einem noch unbekannten Austragungsort freuen. ð
Eine Meinung von Gastautor Fabian ‘FeLipE’ Meßner. Die Rechte an den Bildern liegen bei readmore.de.



