Die Liga der ausgemusterten Gentlemen
SpawN, die Legende! Snajdan, der große Taktiker von SK! Tentpole, noch ein großer Taktiker von SK! GuX, fnatics Madfragger! FYRR73, das Talent! Die Reaktionen der Community auf die Vorstellung des neuen H2k-Lineups Ende Januar waren euphorisch. Kann dieses Team die nationale Phalanx von SK und fnatic wieder brechen? Kann es gar um internationale Spitzenplatzierungen mitspielen?
Ein Turnier – Bilanz: ernüchternd
Den Hoffnungen wurde ein jäher Dämpfer versetzt, als man auf den IOL Finals Anfang Februar in Absenz von fnatic und MYM schon im Viertelfinale ausschied – und drei weitere schwedische Teams der Star-Truppe die Grenzen aufzeigten. Die einzigen Spieler, die eine halbwegs vernünftige Leistung zeigten, spielen mittlerweile mit einem anderen Clantag: GuX läuft seit zwei Wochen für SK auf, FYRR73 mittlerweile für MeetYourMakers. Nach hltv.org vorliegenden Informationen1 plant H2k nun, sich auch von den verbliebenen Spielern zu trennen.
Diese Entwicklung war – auch wenn das nun nach klassischer „Ich hab’s euch ja gesagt“-Klugscheißerei klingen mag – im Vorfeld abzusehen. Snajdan und SpawN haben in den letzten Monaten kaum international konkurrenzfähige Leistungen zeigen können.2 Tentpole wurde reaktiviert, gab aber direkt im Interview mit fragbite an, neben dem eSport Vollzeit arbeiten zu müssen.3 GuX wurde Anfang des Jahres wegen „mangelnder Einstellung“ bei fnatic rausgeworfen. Und um FYRR73 rankten sich bereits vor der Teamvorstellung Gerüchte, er solle durch Begrips modiii ersetzt werden – der Teamchemie vielleicht nicht zwingend förderlich.
Wie sie wurden, was sie sind
So steht H2k Gaming ein weiteres Mal vor dem Scherbenhaufen des zerbrochenen Traumes, es endlich nach ganz oben zu schaffen. 2006 begann der durch Call of Duty populäre Clan, sich auf Counter-Strike 1.6 zu fokussieren. Teams aus Estland, Norwegen, Dänemark und Großbritannien liefen in der Folge für H2k auf. Heraus kam, abgesehen von einem zweiten Platz bei den Intel Extreme Masters 2007, nichts.
Im August 2009 schließlich nahm man mit den Lemondogs ein Team unter Vertrag, das auch einige andere internationale Organisationen gerne in ihren Reihen begrüßt hätten. Ein Kollektiv junger Schweden, die just SK Gaming vom nationalen Platz zwei verdrängt hatten und sich nach fnatic den zweiten Spot für die World Cyber Games in Chengdu sichern konnten. Damit war der Zenit allerdings auch fast schon erreicht – in den folgenden fünf Monaten wechselte H2k sechsmal das Lineup; der jugendliche Elan des ursprünglichen Lineups (threat, kHRYSTAL, face, niko und FYRR73) war schnell verflogen.
Verschnupfte Reaktion der Clanleitung
Bei H2k setzte man in der Folge auf alte Besen – was trotz „gesteigertem finanziellen Aufwand“ offensichtlich nicht funktionierte. Entsprechend verschnupft reagierte Clanchef Rudy van der Reest vergangene Woche auch auf die Anfrage per E-Mail, was man denn gegen das momentan niedrige Level der öffentlichen Wahrnehmung, das dem bestenfalls viertbesten Team Schwedens zuteil wird: „Wenig Aufmerksamkeit?! Sind jubelnde Fans in China ‘wenig Aufmerksamkeit’?! Schau’ doch mal auf irgendeine bekannte eSport-Seite und lies was da über H2k geschrieben wird. Da ist nichts ‘wenig aufmerksam’!“
In seinen weiteren Ausführungen wird bewusst, dass der Clan H2k versuchte, an den großen Namen der Spieler zu wachsen. Dass die claninternen Strukturen der massiven medialen Aufmerksamkeit, die spätestens durch die Verpflichtung von SpawN einsetzte, nicht gewachsen waren, war offensichtlich – allein die Verpflichtung eines Spielers, der seinen eigenen Sponsor (Zowie) hat, der widerum direkter Konkurrent des Teamsponsors SteelSeries ist, sprach Bände.
Große Pläne, schnell vereitelt
Nun sollten mithilfe des schwedischen Teams mehrere Baustellen auf einmal angegangen werden. Die Website, Relikt aus längst vergangenen Zeiten, sollte laut van der Reest ein ansprechendes Facelift erhalten. Ferner sollten einige Marketing-Profis angestellt werden, um das Werbepotenzial von Spielern wie SpawN oder auch Snajdan und Tentpole besser ausnützen zu können. Zieht man in Betracht, dass selbst Dominic Multerer den wohl populärsten aktiven CS-Spieler besser vermarkten könnte, als zuletzt geschehen, ein wichtiger und richtiger Schritt.
Allerdings hat ein Legendenstatus seine Halbwertszeit. Im eSport ist diese besonders kurz. Die Spieler selbst konnten das Versprechen, das ihr Namen gab, nicht halten. Das Verhältnis zu den Sponsoren bezeichnet van der Reest als „Geben und Nehmen“ – nur hatte H2k mit einem Team voller abgehalfterter Altstars zuletzt wenig zu geben. „Wir wollten die besten Spieler, also haben wir in die besten Spieler investiert“, so van der Reest nach der Verpflichtung von Tentpole und GuX. „Letztendlich: Wenn du nicht investierst, kommst du nirgendwo hin“.
H2k hat viel investiert. Und steht jetzt trotzdem – im Nirgendwo. ð
1: HLTV.org: H2k lose CS team
2: HLTV.org: Statistiken der Dreamhack
3: Fragbite: Tentpole regarding the new H2k-team
Ein Artikel von Christian Bauer.



