Arbalet, der eSport-Oligarch
Arbalet ist ein Name, der immer wieder in Verbindung mit Counter-Strike-Turnieren im osteuropäischen Raum auftaucht. Die Schlagzeilen häufen sich: Dezember letzten Jahres fand in Stockholm erstmals ein mit 37.000 US-Dollar dotierter Arbalet Cup Europe statt, mehrere weitere Turniere sind für das Jahr 2010 geplant. Außerdem hat Arbalet die Teams von k23 und Virtus.pro mit einer sechsstelligen Summe unterstützt und zeichnet sich für die Finanzierung des neuen selbsternannten “Superteams” aus der Ukraine verantwortlich, welches unter dem alten Namen KerchNET gerade erst auf dem European Championship der Intel Extreme Masters auf sich aufmerksam gemacht hat.
Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dieser vielversprechenden “Organisation”? Es handelt sich bei Arbalet nicht etwa um eine Firma, sondern um den Nickname des Kasachen Murat Zhumashevich. Der 43-jährige Geschäftsmann tritt überwiegend im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion als Mäzen und Sponsor auf und hat sich zu dem wohl wichtigsten Akteur des dortigen eSport-Marktes entwickelt.
Erdöl, Wodka, Tabak, Tee…
Arbalet ist laut eigener Aussage durch Erdöl, Wodka, Tabak und den Verkauf von Tee zu einem stattlichen Vermögen gekommen. Schon seit 12 Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema eSport, nachdem ihn seine eigenen Kinder auf ihr Hobby aufmerksam gemacht haben. Aus Neugier wurde bald eine Passion und Arbalet, übrigens das russische Wort für ‘Armbrust’, begann, regelmäßig kleinere Turniere innerhalb Kasachstans auszurichten – bis zum heutigen Tag sollen es über 300 sein. Später unterstützte er auch das erfolgreichste Counter-Strike-Team des Landes, k23. Diesem gelang schon 2005 ein regelrechter Coup, als es auf den World Cyber Games in CS:Source den zweiten Platz belegte.
Ende 2008 intensivierte er seinen Support. k23 sollte ganz oben mitspielen, dazu scheute er keine Kosten und Mühen – erhöhte aber auch den Leistungsdruck enorm. Konstantin ‘groove’ Pikiner wurde vor den WCG als Coach und Manager verpflichtet und sollte das Team auf Höchstleistung trimmen. Tatsächlich erreichte k23 eine Platzierung unter den Top 8 – hätten die Kasachen das nicht geschafft, hätte Arbalet die Zusammenarbeit mit ihnen beendet1. 2009 zogen die Spieler schließlich gemeinsam nach Moskau um, wo sie weitaus bessere Trainingsbedingungen vorfanden als in ihrer Heimat. Reisen nach Spanien, Südkorea, Dubai, China – alles kein Problem. Im Juli beschloss Arbalet, Virtus.pro, welches Anfang des Jahres alle seine Sponsoren verlor, dieselbe Unterstützung zukommen zu lassen wie k23.
Wirtschaftlicher Erfolg ist nicht relevant
Es wird schnell deutlich, dass Arbalets Motivation nicht wirtschaftlicher Natur ist. Er versucht, den eSport in der Ex-UdSSR zu fördern und träumt davon, eine CS-Mannschaft hervorzubringen, die zur absoluten Weltspitze aufschließen kann. Dank seiner hohen Investitionen besitzt er enormen Einfluss darauf, wie sich die Szene in den russischsprachigen Ländern entwickelt. Murat Zhumashevich ist dabei kompromisslos: Seine Spieler bekommen ausnahmslos alles, was sie brauchen; manch ein Topteam wäre neidisch auf solche Bedingungen. Doch wenn seine Erwartungen nicht erfüllt werden, zieht er entsprechende Konsequenzen und stellt sein Engagement ein.
Dies führte bereits zur (zumindest temporären) Schließung beider von ihm unterstützter Clans. Die Spieler standen plötzlich vor dem Nichts und bewegten Arbalet dazu, ihnen doch noch eine letzte Chance zu geben. Dem auf diese Weise entstandenen russisch-kasachischen Team UNiTED gab er eine knappe Deadline bis Ende letzten Jahres. Das weitere Fortbestehen des Kaders ist zurzeit ungewiss. Mit den Ukrainern wurde anfangs eine Partnerschaft bis Mitte 2010 vereinbart – wenn es bis dahin keine messbaren Erfolge zu verbuchen gibt, gehen vermutlich auch hier die Lichter aus. Ein fünfter Platz in Brühl reicht da nicht, Arbalet will Medaillen und Pokale sehen.
Hauptsache, es macht Spaß
Eine ähnliche Einstellung in Bezug auf die Arbalet Cups offenbarte sich in einem Interview auf gameinside.ua2: “Ich bin ein Mäzen. Wenn ich ein Turnier ausrichten möchte, dann tue ich das – wenn nicht, dann nicht; niemand zwingt mich zu irgendetwas. Solange ich Lust dazu habe, werde ich weiter als Veranstalter in Erscheinung treten. Eigentlich sponsere ich Wettbewerbe, weil sie mich selbst interessieren.”
Für das Jahr 2010 sind sechs osteuropäische Arbalet Cups in Moskau geplant sowie mindestens einer in Kasachstan Ende Januar. Des Weiteren soll es je zwei nationale Turniere in Russland und der Ukraine geben und einen weiteren Arbalet Cup Europe in Stockholm, diesmal dotiert mit 100.000 US-Dollar. Da kann man nur hoffen, dass Murat Zhumashevich bei so vielen Wettbewerben nicht irgendwann das Interesse verliert. ð
Ein Artikel von Lari Syrota. Die Rechte der Bilder liegen bei gameinside.ua und readmore.de.
Quellen:
1: http://www.cyberfight.ru/offline/interviews/52477/
2: http://www.gameinside.ua/show_column.php?column_id=345



