Arbalet, der launische Investor

Spätestens seit MYMs desatröser Gehaltspolitik ist bekannt, dass auch im eSport rationell gewirtschaftet werden will. Doch da gibt es einen, der hat es so gar nicht mit der Ratio, dafür hat er umso mehr Kohle: Arbalet, der launische Investor.

Im eSport fehlt das Geld an allen Ecken und Enden wenn man denen glauben mag, die damit hantieren. So gibt es immer wieder Clans, die Spielern Geld versprechen, ihre Versprechen im Endeffekt allerdings nicht halten können. Grund dafür sind oft Investoren, die Geld mitbringen, dann aber von einem Tag auf den anderen verschwinden: Gute Beispiele dafür sind Malediven-Ingo, Nordy von Vitrolic oder der Russe hinter Gravitas.  Ein anderes bekanntes Beispiel ist MYM: Der Clan, der mit seiner investitionslustigen Mentalität zu einem der Topteams aufstieg, hatte am Ende nicht mehr die Mittel, um den Traum am Leben zu halten.

Viele sahen das schon kommen, für den Rest war spätestens ab dann klar: Wir haben in einer Traumwelt gelebt, die Spieler haben zu viel bekommen und jetzt muss mit mehr Vernunft investiert werden. Gehälter gingen zurück und Spieler wurden vor die Tür gesetzt. In dieser Zeit, in der das Geld fehlt, wäre ein spentabler Investor das beste, was einem Clan passieren könnte. Da gäbe es einen Kandidaten, doch der hat anderes im Sinne.

Suche Ruhm, biete Geld!

Dank der Arbalet-LANs ist der Nick schon eine ganze Weile bekannt; dass hinter diesem Nick keine Firma sondern Murat Zhumashevich steckt, war hingegen vielen neu. Dieser kommt aus Kasachstan und kam in früheren Jahren zu einer Menge Geld. Durch seine beiden Söhne fand er zum eSport, welcher auch für ihn zum Hobby wurde; allerdings auf etwas andere Art. Eins hat er mit Progamern jedoch gemein: Das Streben nach Ruhm.

Und so kommt es, dass Murat Zhumashevich nicht aus eigener Kraft an die Weltspitze erreichen möchte (obwohl man ihm nachsagt, ein ziemlich guter CS-Spieler zu sein), sondern in andere Teams investiert. Dabei ist er allerdings nicht der erhoffte Geldsegen der Clans, denn von seinem Vermögen profitiert nicht die Organisation, sondern die CounterStrike-Spieler. Diese gehen mit ihm einen verlockenden Pakt ein: Er erfüllt ihnen den Traum des Progamers, zahlt gute Gehälter und bietet hervorragende Trainingsmöglichkeiten. Von nun an haben Spieler und Investor ein gemeinsames Ziel: Weltspitze – und zwar bald.

Der Pakt mit dem Teufel

Im Gegensatz zu Clans hat Murat Zhumashevich es nicht nötig, wirtschaftlich effizient zu handeln. Ihm geht es primär um Spaß und Ruhm. Bleiben die Erfolge aus, beendet er sein Engagement. So mussten schon virtus Pro und k23 einsehen, dass ihre Leistungen nicht den Anforderungen ihres launischen Geldgebers entsprachen. Das Ende vom Lied: Beide Clans sind zumindest vorübergehend geschlossen, denn finanziell stehen sie vor dem Nichts.

Das liegt gar nicht einmal daran, dass Arbalet ein von Grund auf schlechter Mensch ist, ganz im Gegenteil, doch er investiert an der falschen Stelle. Er ermöglicht seinen favorisierten Spielern gute Bedingungen und ein faires Gehalt, kann problemlos die Teams so zusammen kaufen, wie er es möchte und lässt sich schon auch mal seine Lieblingsspieler einfliegen, um sie spielen zu sehen. Auch die WCG-Reise des Spielers Majestic hat er bezahlt. Doch all das hat langfristig keine Bedeutung – stoppt der Geldfluss, stehen die Geförderten vor dem Nichts: Es fehlen andere Sponsoren und damit die Mittel, Management und Homepage weiterhin zu bezahlen; So ist ihm zwar die ost-europäische Community enorm dankbar für das Geld, dass Murat Zhumashevich in sie steckt (auf Szeneseiten wird er nur in höchsten Tönen gelobt), langfristig hilft er dem eSport trotzdem nicht weiter. Nun ist ein neues Team den Pakt mit dem Teufel eingegangen: KerchNET.

Für viele war die Leistung des Teams auf der Intel Extreme Masters Europe Championship überraschend; mindestens ebenso überraschend das darauf folgende Interview. Yegor ‘markeloff’ Markelov ist mit Platz fünf ein wenig enttäuscht, die Top 3 hätten es schon sein sollen. Und ob er in dem besten ost-europäischem Team spiele? Ja, klar! Allerdings auch das ist nicht zufrieden stellend, denn man möchte das beste Team der Welt werden. Ansprüche, an denen der Investor sein Team messen wird.

Größenwahnsinnig ist Murat Zhumashevich sicherlich ein wenig. Er möchte mit seinem Geld dem eSport helfen – aber er möchte sich auch Ruhm erkaufen und bietet Teams dafür eine Chance, die sie andernfalls wohl nicht bekommen würden. Sein Verhalten ähnelt damit dem eines typischen James Bond Bösewichts: Er schnappt sich für viel Geld gute Leute und erwartet von ihnen das Beste und vielleicht auch das Unmögliche – scheitern sie, kennt er keine Gnade. Zum Glück folgt hier nur der virtuelle Tod. Wie lange wird KerchNET überleben? ð

Eine Meinung von Stefan Schmitt. Die Rechte der Bilder liegen bei gameinside.ua.

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