Haben die EPS Finals nicht mehr zu bieten?

Vier Spiele, viele Spieler, eine große Bühne, jede Menge Stühle und mindestens ebenso viele Menschen, viel Rauch und wenig Licht – das sind in etwa die EPS Finals für den durchschnittlichen eSportler. Der hat in der Regel einen Computer, spielt Warcraft, Counterstrike oder neuerdings auch Fifa; oder hat diese Titel zumindest irgendwann einmal gespielt. Doof nur, dass der durchschnittliche eSportler wohl kaum Lust hat, sich alle Spiele (und CS:S) anzusehen. Was tut man also auf den EPS Finals, um die Zeit totzuschlagen?

Wenige Ablenkungsmöglichkeiten vor Ort

Eins steht fest: Die Messe rund um das Event ist keine Antwort auf die Langeweile. Aus der Not heraus läuft man einmal drüber, probiert einige Spiele aus, um gleich wieder aufzustehen, hat vier Minuten Spaß bei einem Autorennen mit Freunden und ist nach spätestens einer halben Stunde überall gewesen – ohne auch nur im geringsten die Absicht zu haben, die Stände ein weiteres Mal zu besuchen; in FIFA steht es währenddessen 3:3 und der Moderator findet es spannend. Aha. Was nun? Kickern und Fußball spielen im Foyer mag noch eine Alternative sein, allerdings auch maximal für zehn Leute – der Rest bleibt auf der Strecke.

Dumm, dass neben der Unterhaltung auch das Catering eher zu wünschen übrig lässt. Diesen Winter gab es in eisiger Kälte Currywurst, die einem mit tausendfacher Tabasco-Schärfe ordentlich einheizen wollte. Günstig satt wurde man davon leider nicht. Und immer nur Currywurst ist auch langweilig. Nachdem man also in klirrender Kälte eine demnach viel zu scharfe und heiße Wurst gegessen hat, ging es wieder rein – und jetzt? Gut, für mich ging es meistens in den Pressebereich, da kann man wenigstens auch außerhalb des Publikums sitzen und sich in Ruhe unterhalten, für den normalen Besucher gibt es aber keine andere Möglichkeit, als wieder in die dunkle Halle zu gehen.

Ist das wirklich alles, was man von einem Event wie den EPS Finals erwarten kann? Eintritt, Bühne, Toilette, Bühne, Curry-Wurst, Bühne, Bühne, schlafen, Bühne und dann noch eine Messe, die wohl die wenigsten interessiert? Jeder außenstehende, nicht eSport-affine Mensch muss sich doch denken: “Da treffen sie sich, die Nerds, die Halle ist dunkel und wird nur von Computermonitoren erleuchtet. Von einem Keller in den anderen also.” Und irgendwie stimmt das auch. eSport, in mancher Leute Augen schon längst eine “Jugendkultur”, wird hier viel mehr zur Nerdkultur; nicht gerade ein Fortschritt.

Neue Stimmung im Tanzbrunnen

In ungefähr einem halben Jahr hat die ESL die Chance für eine Richtungsänderung. Eine kleinere Location soll für größere Spannung sorgen; vom Tanzbrunnen zum Hexenkessel. Schon gibt es die ersten, die darin einen Rückschritt sehen, denn wenn die Location kleiner wird, dann kann das natürlich nicht gut für den eSport sein – so der wohl durchdachte Schluss…

Wie bitte? Eigentlich ist es doch viel mehr ein Grund zur Freude, dass die zwielichtige Messe kleiner wird und dafür auch außerhalb der Location Stände zu finden sein sollen. Raus aus dem Keller, rein ins Leben. Ich sehe schon eine Strand-Bar mit Cocktails, eine Shisha-Lounge und diverse Stände, die mir Essbares bieten. Eine Möglichkeit, vom eSport in der Halle etwas Abstand zu nehmen und neue Leute kennen zu lernen, ein Bierchen zu trinken und zu relaxen. Direkt neben dem Stand von n!faculty informiert ein Stadtplan mit Pfeilen über Clubs in Köln und irgendwie ist es auch möglich, Pizzabestellungen und Abendplanung zusammen mit anderen Leuten zu koordinieren. eSport trifft auf normales Leben: Die Games Convention Online hat es vor gemacht; hoffentlich springt auch die ESL auf diesen Zug auf und macht einen Schritt nach vorne – und damit die nächsten EPS Finals zu einem unvergesslichen Ereignis. ð

Eine Meinung von Stefan Schmitt. Die Rechte der Bilder liegen bei der ESL und Fabian Bartsch.

  • xbrainer
    der Unterschied zwischen einem Fußballspiel und den EPS Finals ist das alle nach dem einen Spiel wieder nach Hause gehen und die EPS Finals den Anspruch haben das Publikum 4 bis 8 Stunden in der Location zu halten. Wenn man nicht alle Spiele super interessant findet muss man sich zwangsläufig langweilen. Die Pausen zwischen den z.B CS1.6 Matches sind aber auch zu kurz für Ortsunkundige um sich ganz von der Location zu entfernen. Es sei denn sie liegt sehr zentral (wie der Tanzbrunnen?) Und den Zeitplänen kann man ja auch nie so richtig tauen.
    Da bleibt man halt da, gammelt und überlegen sich ob man das nächste Mal wiederkommt.
  • deinemudda
    "Wenn ich auf en Fußballspiel gehe hab ich ja auch großes Rahmenprogramm"

    Ähm, bitte was? Die Tanzgruppe Leni-Riefenstahl AG in der Halbzeitpause oder doch der Mallorca-erprobte D Promi als Gesangseinlage? Ich weiß ja nicht, von welchem Verein du Fan bist, aber sowohl bei eigenen Spielen (0 Rahmenprogramm, außer 'ner Wurstbude) als auch in der Bundesliga habe ich in den letzten 10 Jahren keine Veränderung feststellen können.
  • schreiberling
    Dass dir die Currywurst nicht geschmeckt hat, weil du sie lieber lauwarm und fad isst, interessiert leider niemanden. Ansonsten in Ordnung.
  • Weil ich auch geschrieben habe, dass sie mir nicht geschmeckt hat.
  • : )
    Nice Artikel!

    Wenn ich auf en Fußballspiel gehe hab ich ja auch großes Rahmenprogramm, und auf diversen Sportturnieren gibts auch immer Aftershow Partys.
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