Die Rückkehr des Duells
Die eSport-Weisen kündigten jahrelang regelmäßig den nächsten Schritt in der Entwicklung an: Ein Duel-Shooter bringt den elektronischen Sport auf ein neues Level. Im Gegensatz zu den Klassikern Warcraft 3 und Counter-Strike ist das direkte Duell übersichtlich und leicht verständlich. Die nötigen Vorkenntnisse sind minimal und der Spielverlauf meist alles andere als linear. Optimale Voraussetzungen für einen medialen Erfolg. Doch beide große Spieleserien, Doom und Unreal, verpassten den Durchbruch und verblieben mit kleinen Online-Communities. An den Erfolgen von Warcraft 3, StarCraft, Counter-Strike 1.6 oder Source kratzten sie nicht mal.
Doch an diesem Wochenende scheint sich das zum ersten Mal zu ändern. Quake Live erhält vier Tage volle Medienpräsenz und wird auf ESL TV in Aktion gesetzt. Schon der erste Tag überzeugt: Gruppe A liefert spannende Duelle zwischen dem Polen Maciek ‘av3k’ Krzykowski, dem schwedischen Allstar Sebastian ‘Spart1e’ Siira und dem bisher unbekannten deutschen Neuling Benjamin ‘calipt’ Jakob. Am Ende setzt sich der Lokalmatador punktgleich gegen die beiden Konkurrenten durch und sorgt für die erste Überraschung: Er schlägt av3k mit 2:0.
Die ESL macht gerade einiges richtig: Kompetente englische Moderatoren, übersichtliche Streams und keine parallel laufenden Turniere, die von den Duellspielern ablenken. So schalten nicht nur die Quake-Veteranen ein, sondern auch viele CS- und WC3-Anhänger schauen sich das Turnier auf dem kostenlosen Stream an. Namen wie Cooller, av3k oder k1llsen kennen die meisten von großen Turnieren wie der CPL oder dem ESWC. Damals war meist das Spiel notwendig, um den Matches live zu folgen, nur wenige Spiele liefen über einen Livestream. Meist zu wenig, um einen wirklichen Einblick zu erhalten. Jetzt gibt es umsonst einen Einblick in die spannenden Duelle – eine lange überfällige Revolution. Danke ESL!
Die Person hinter diesen Veränderungen bei der größten europäischen Liga hat einen bekannten Namen: Michal ‘Carmac’ Blicharz. Der Pole war lange als Journalist bei der GGL und als Chefredakteur bei SK Gaming involviert und hat einen einzigartigen Einblick in die Turnierlandschaft. Er versteht nicht nur die Spieler oder Clans, sondern auch die Veranstalter. Durch seine Präsenz hilft er der Liga in Sachen Professionalität und Beständigkeit. Seine Verpflichtung bedeutete einen langfristigen Fokus der ESL auf die Intel Extreme Masters, aber auch die Einführung der Duell-Wettbewerbe. Wenn Carmac für eine eSport-Disziplin steht, dann ist es Unreal Tournament. Der Pole spielt noch heute den veralteten Shooter und ist mit vielen der osteuropäischen Quake-Stars befreundet. Zeitweise wirkte er wie ein Manager des blutjungen ESWC-Siegers av3k und schützte ihn vor den vielen Anfragen von Clans und Presse.
Wieder einmal hilft Carmac den 1on1-Spielern und etabliert eine attraktive Quake-Live-Liga mit ordentlichem Preisgeld und LAN-Finals in den Kölner ESL-TV-Studios. Sie danken es ihm mit spannenden Spielen und tiefen Einblicken in den Zwischeninterviews. Wer stellt die Fragen? Carmac lässt sich dies nicht nehmen und befragt die Spieler zu ihren Erwartungen, Taktiken und Beziehungen. Kein anderer Moderator ist so tief in der Szene verwurzelt und kitzelt so intelligent Geheimnisse aus den Befragten.
Das Gesamtpaket stimmt einfach an diesem Wochenende. Gute Streams, Kommentatoren und ein übersichtliches Spiel. Spannende Zwischeninterviews, bekannte Alt-Stars und hungrige Newcomer kämpfen um die erste Krone in Quake Live, ein junges Spiel, das noch gar nicht so lange aus der Betaphase geschlüpft ist und viel Potential hat. Carmac ist der Mann, der dieses Potential nutzen kann und an der richtigen Position sitzt, um langfristig den eSport zu verändern. Danke ESL! ð
Ein Gastbeitrag eines eSport-Veterans, der vorerst unerkannt bleiben will. Die Rechte an den Bildern liegen bei readmore.de und ESL.eu.



